Zusammenfassung der Abschlussdiskussion
Rückbau auf DFMG-Standorten --- Was nun ?

von

Holger Flemming, DH4DAI

Im Rahmen der 23. IPRT fand eine offene Diskussion mit dem Titel "Rückbau auf DFMG-Standorten --- Was nun ?" statt, die von Jann, DG8NGN, und Jens, DL3SJB, moderiert wurde. Jann, der auch Mitarbeiter im Technikreferat des VFDB ist, hat im Vorfeld der Diskussion einige aktuelle Informationen vom VFDB-Vorstand erhalten, die er an die Teilnehmer der Diskussion weiter gab.
Die Diskussion war insgesamt sehr gut besucht. Unter den Zuhörern waren auch zahlreiche direkt betroffene Funkamateure, d.h. Betreiber von automatischen Amateurfunkstationen auf DFMG-Standorten. Mittelbar waren fast alle der anwesenden Funkamateure betroffen. Die Diskussion wurde mit viel Engagement, aber auch großer Sachlichkeit geführt.

Ausgangspunkt

Die DFMG ist die derzeitige Inhaberin der Funktürme der ehemaligen Deutschen Bundespost. Nach einigen unglücklichen Vorfällen ist die Geschäftsführung der DFMG verstärkt auf die Amateurfunkstationen auf ihren Standorten aufmerksam geworden. Genannt wurden die Veröffentlichung von Fotos im Internet von Antennenarbeiten auf einem Turm ohne hinreichende Sicherung und der Absturz einer Antenne vom Standort auf dem Brocken / Harz. Vor einigen Wochen gab es dann eine Meldung des VFDB, dass in einem Gespräch mit der DFMG von dieser gefordert worden sei, die Amateurfunkstationen auf diesen Standorten drastisch zurück zu bauen. Kernpunkte sind:

Von Seiten des VFDB wird den Betreibern der Stationen dringend geraten, sich an diese Auflagen zu halten, da ansonsten die gesamte Station gefährdet sei. Ansonsten stehe der VFDB mit der DFMG in Verhandlungen über einen Rahmenvertrag, um unsere Amateurfunkstationen auf DFMG-Türmen langfristig zu sichern. Mit einem abschließendem Ergebnis sei in Kürze zu rechnen. Darüber hinaus habe der VFDB Referent für Standortfragen, Werner Hennig, DF5DD, alle Betreiber betroffener Amateurfunkstationen persönlich angeschrieben und informiert.

Die Diskussion

Von den Teilnehmern wurde für mehrere Standorte berichtet, was diese Forderungen für Auswirkungen haben. Wegen ihrer Linkverbindungen sind vor allem Digipeater von der Begrenzung der Antennenzahl auf 4 betroffen. Zahlreiche Interlinks oder ganze Digipeater wurden bereits abgeschaltet. Mailboxen, DX-Cluster und andere PC-basierte System fallen der Leistungsbegrenzung zum Opfer. Oftmals sind die jetzt vorzunehmenden Änderungen irreversibel, wenn zum Beispiel größere Antennen, wie Spiegel, zur Demontage zerstört werden müssen. Sollten die Verhandlungen doch noch eine Verbesserung für die Funkamateure ergeben, könnten diese Systeme trotzdem nicht wieder reaktivert werden.

Die Frage, woher die Zahlen 4 Antennen und 100 W Spitzenleistung kommen, konnte nicht geklärt werden. Einig war man sich darin, dass diese nur als "politische" Größen verstanden werden könne, die an den Realitäten automatischer Amateurfunkstationen vorbei gingen. Selbstverständlich sei es dagegen, dass Funkamateure beim Aufbau ihrer Stationen verantwortungsvoll vorgehen und Sicherheitsbestimmungen einhalten müssten. Auch in Bezug auf den Energieverbrauch baue sich inzwischen ein verstärktes Bewusstsein auf.

Neben den Forderungen der DFMG wurde aber auch der VFDB vor allem seiner Informationspolitik wegen kritisiert. Mehrere Betreiber von betroffenen Digipeatern bestritten, persönlich Informationen vom VFDB erhalten zu haben. Eine Information der Amateurfunköffentlichkeit fände praktisch nicht statt, obwohl die Thematik wie kaum eine andere die breite Masse der Funkamateure betreffe. Deutlich verwahrten sich die Aktiven dagegen, einen Digipeater mit mehr als vier Antennen als "Wildwuchs" zu bezeichnen, wie es aus der VFDB-Vorstandsmeldung herauszulesen sei. Es gäbe durchaus einige Großnetzknoten mit vielen Hochfrequenzstrecken, die hervorragend mechanisch und elektrisch realisiert seien.

Generell herrschte Skepsis, was die Zukunftsaussichten von Amateurfunkstationen auf DFMG-Standorten betrifft. Von einigen Funkamateuren wurde gar die Sorge geäußert, die aktuellen Rückbauforderungen könnten erst der Anfang einer Entwicklung sein, an deren Ende der komplette Verlust dieser Standorte für den Amateurfunk stände.

Wünsche für die Verhandlungen

Als Minimalforderung an die Verhandlungen zwischen VFDB und DFMG für ein Überleben von Digipeater und Relais auf DFMG-Standorten kristallisierte sich heraus, dass statt der Spitzenleistung die Durchschnittsleistung, z.B. gemittelt über einen Tag oder eine Woche, spezifiziert werden müsse. 100 W Durchschnittsleistung seien mit stromsparender Technik durchaus erreichbar, wogegen 100 W Spitzenleistung praktisch für jeden Digipeater das Aus bedeuteten. Selbsverständlich wünschen sich die Funkamateure auch eine größere Flexibilität bei Antennenanzahl und -größe.

Phantasie ist gefragt

Bezogen auf die Zukunft des Packet-Radio-Netzes ist das Resümee der Diskussion, dass nun Phantasie gefragt ist. Zum einen wird es sich kaum vermeiden lassen, dass der ein oder andere Standort für das Packet-Radio-Netz wegfällt. Hier wird es einige Anstrengungen der Funkamateure erfordern, diese Standorte zu ersetzen. Zum anderen wird es eine Herausforderung für die Betreiber von automatischen Stationen sein, technische Lösungen für ihre Stationen zu finden, um den Anforderungen der DFMG zu genügen. Für die Lösung beider Aufgaben wird neben technischem Know how und Kooperation der Funkamateure untereinander eben auch eine große Portion Phantasie erforderlich sein.

Um wegfallende Netzknoten im Packet Radio Netz ersetzen zu können, wird es darüber hinaus notwendig sein, die dabei frei werdenen Frequenzresourcen effektiv zwischen benachbarten Netzknoten einzusetzen, um entstehende Lücken im Netz zu schließen. Dabei wird jedoch wieder deutlich, wie sehr den Funkamateuren die weggebrochene eigenständige Infrastruktur zur Koordinierung automatischer Stationen fehlt.